Fortbildungsstandards

Die Zertifikatsfortbildung ist gekennzeichnet durch einen modulartigen Aufbau. Sie gliedert sich in Grundmodule und Hauptmodule und hat einen Zeitumfang von mindestens 18 Lehrgangstagen. Darüber hinaus ist ein Praktikum von 40 Stunden zu absolvieren. Die Fortbildung schließt mit einer Prüfung zur „staatlich zertifizierten Waldpädagogin“ bzw. zum „staatlich zertifizierten Waldpädagogen“ ab. Der Zertifikatsrahmen stellt den Mindeststandard für bundesweiten die Qualitätssicherung und Vergleichbarkeit von Waldpädagogik-Zertifikatslehrgängen im Angebot der Landesforstverwaltungen dar. Die Mindeststandards gelten verbindlich für alle Kursanbieter. Die verantwortlichen Länderforstverwaltungen und deren Partner können landesspezifisch weitergehende Bildungsinhalte umsetzen.

Grafik zu den einzelnen Kursmodulen

Grundmodule

Im Grundmodul wird das notwendige Basiswissen in den Bereichen Waldwissen und Pädagogik vermittelt.

Grundmodul Pädagogische und methodische Grundlagen

  • Überblick über anthropologische und psychologische Grundlagen der Vermittlung von Wissen
  • Pädagogische Ansätze und Denkweisen
  • Didaktische Konzepte
  • Methodik
  • Einführung in Leitungskompetenz
  • Zielgruppenorientierung

Grundmodul Forstliche und ökologische Grundlagen

  • Artenkenntnisse (heimische Baum- und Straucharten, Bodenpflanzen, Säuger, Insekten, Vögel) und Erkennen von Tierspuren (Fährten, Fraßbilder, Losung)
  • Umgang mit Bestimmungshilfen
  • Ökosystemare Grundlagen
  • Überblick über die Waldfunktionen (Nutz-, Schutz-, Erholungsfunktionen)
  • Einführung in forstliche Nachhaltigkeit
  • Waldbau
  • Bedeutung der Jagd im Wald
  • Waldarbeit und Forsttechnik sowie Berufe im Wald

Hauptmodule

Das Hauptmodul ist in die Bereiche A-D gegliedert:

A – Forstlich-ökologisches Hauptmodul 

  • Vertiefung und Erweiterung der Kenntnisse aus dem Grundmodul (Ökosystem Wald, Artenkenntnisse, Forstwirtschaft)
  • Wald-, Forst- und Kulturgeschichte
  • Lokale und globale Nachhaltigkeit
  • Naturethik (Waldgesinnung, Beziehung Mensch-Natur)
  • Anwendung zielgruppenspezifischer Methodik und ganzheitliche Lern- und Aktionsformen im Sinne der BNE (Kompetenzförderung)
  • Ausarbeiten und Durchführen eigener Programme oder Programmteile

B – Pädagogisches Hauptmodul

  1. a) Allgemeine Pädagogik
  • Grundkenntnisse darüber, wie Menschen lernen und wie diese Lernprozesse im Lebensraum Wald für Bildungsprozesse genutzt werden können
  • vertiefte Auseinandersetzung mit pädagogischen Konzepten
  • die pädagogischen Implikationen von BNE oder wie diese in Waldprogrammen umsetzbar sind
  • Ursachen, Hintergründe und Umgang mit schwierigen Situationen und sozialpädagogische Konzepte und Wirkungen der Waldpädagogik
  1. b) Methodik und Didaktik
  • Identifikation und Definition von Zielen und Zielgruppen
  • Zielgruppenorientierung
  • Prozessorientierung
  • ganzheitliche, erlebnis- und handlungsorientierte Aktions- und Lernformen
  • Methoden zur Kompetenzförderung
  • Planung, Organisation Durchführung und Training von waldpädagogischen Veranstaltungen nach pädagogischen Aspekten
  • Reflexionsmethoden
  1. c) Der Leitung und die Gruppe
  • Leitungsverständnis
  • Training für Leitungspersonen

C – Hauptmodul Recht und Organisation

  • Rechtliche und formale Grundlagen für die Durchführung waldpädagogischer Veranstaltungen (z.B. Forstrecht, Naturschutzrecht, Jagdrecht, Arbeitsrecht, Verkehrssicherung)
  • Haftung und Verantwortung
  • Organisation und Marketing
  • Akquise

D – Wahlmodul

Im Rahmen des Modul D sollen Inhalte aus den Modulen A und B vertieft werden, es können aber auch persönliche Schwerpunkte vorgenommen werden. Das Modul D kann bei externen Anbietern absolviert werden, es müssen aber mindestens drei unterschiedliche mindestens eintägige Seminare nachgewiesen werden.

Beispielinhalte für Wahlmodul:

  • Kreativität und Erlebnis
  • Waldbezogene und pädagogische Fachkurse (waldpädagogische Themenbereiche)

Praktikum

Ziel des Praktikums ist, bereits erworbene Fertigkeiten  in der Praxis und unter fachkundiger Begleitung zu trainieren und zu reflektieren. Dies geschieht bei einer durch die Bundesländer und deren beauftragte Stellen anerkannten Bildungseinrichtung.

Für das Praktikum gelten folgende bundeseinheitlichen Vorgaben:

  • Zeitumfang: 40 Stunden
  • Praktikum muss von einer erfahrenen Person betreut sein
  • Dokumentation der Veranstaltungen und Bestätigung durch den/die Betreuer/in

Der Praktikant/die Praktikantin wird zunächst an Veranstaltungen/Programmen beteiligt und führt baldmöglichst eigene Veranstaltungen/Programme durch. Das beinhaltet Vor- und Nachbereitung und gemeinsame Reflexion mit dem/der Betreuer/in.

Näheres hierzu, insbesondere welche Bildungseinrichtungen als Praktikumsstelle anerkannt sind, erfahren Sie bei den jeweiligen Anbietern und Trägern.

Prüfung

In der Abschlussprüfung „Zertifikat Waldpädagogik“ soll nachgewiesen werden, dass die Prüflinge die inhaltlichen und methodischen Ziele des Fortbildungsganges „Zertifikat Waldpädagogik“ beherrschen und in der Praxis umsetzten können. Die Prüfung wird von einer Prüfungskommission abgenommen.

An der Abschlussprüfung können Teilnehmer/innen des Zertifikatslehrganges „Zertifikat Waldpädagogik“ teilnehmen, die Kurse für alle Module und das Praktikum im erforderlichen Umfang absolviert haben und dies mit entsprechenden Teilnahmebescheinigungen bei der Prüfungskommission nachweisen können.

Die Prüfung besteht aus der praktischen Durchführung einer waldpädagogischen Veranstaltung einschließlich Planung/Vorbereitung und Reflexion/Diskussion.

  • Planung und Vorbereitung (mindestens 1 Stunde)
  • Anhand der Mindestvorgaben „Zielgruppe“, „Ziel“, „Thema“ und „örtlicher Bezug“ muss ein Konzept erarbeitet und vorgestellt werden.
  • Durchführung einer waldpädagogischen Veranstaltung (mindestens 2 Stunden)
  • Dieser Prüfungsteil wird mit Beteiligung einer für Waldpädagogik typischen Zielgruppe durchgeführt. Dieser Prüfungsteil soll im Wald stattfinden. Der/die Prüfungskandidat/in soll zeigen, dass er die fachlichen und methodisch/didaktischen Inhalte der modularen Fortbildung in einer Praxissituation umsetzen kann.
  • Reflexion und Diskussion (mindestens 30 Minuten)
  • Anhand der durchgeführten waldpädagogischen Veranstaltung werden in einem Prüfungsgespräch methodische, fachliche und ggf. landesspezifische Anforderungen überprüft.

Die Prüfung kann als Einzelprüfung oder als Gruppenprüfung mit bis zu 3 Prüfungskandidaten/innen durchgeführt werden. Wer die Prüfung nicht bestanden hat, kann sie einmal wiederholen.